So wird Geld verschenkt…

Dass einige ausländische Friseure in Deutschland Haarschnitte für wenig Euro anbieten können, liegt nicht an geringeren Kostenstrukturen, sondern daran, dass dort meist ausschließlich trocken geschnitten wird. Diese Technik entspricht der Arbeitsweise, die in Deutschland bis in die sechziger Jahre üblich war: Schneiden über Kamm und Schere, ohne Graduierung, ohne moderne Systematik.
Mit dem Aufkommen der Beatles‑Ära und den Sassoon‑Techniken veränderte sich das Handwerk grundlegend. Der Nasshaarschnitt setzte sich durch, die Systemschneidetechnik wurde Standard, und der Trockenhaarschnitt verschwand weitgehend aus der Ausbildung. Nur wenige ältere Kunden verlangten ihn noch, und so wurde er schließlich aus dem Lehrplan gestrichen, ebenso wie der Faconschnitt, der später durch neue Trends wieder an Bedeutung gewann.
Heute ist die Situation widersprüchlich. Viele Salons bieten den Trockenhaarschnitt weiterhin an, ohne sich bewusst zu sein, dass sie damit eine völlig andere Dienstleistung verkaufen als einen modernen Formhaarschnitt. Häufig wird sogar beim vermeintlichen Trockenhaarschnitt doch graduiert oder das Haar leicht angefeuchtet, wodurch eine höherwertige Arbeit zum Preis einer einfachen Leistung erbracht wird. Das führt dazu, dass Salons ungewollt Umsatz verschenken, weil die Unterschiede zwischen beiden Techniken nicht klar kommuniziert werden.
Dabei haben Trocken‑ und Nasshaarschnitt nur eines gemeinsam: Das Haar wird kürzer. In allen anderen Punkten handelt es sich um zwei verschiedene Dienstleistungen mit unterschiedlichen Anforderungen, Ergebnissen und Wertigkeiten.
Ein Blick auf die Durchschnittspreise zeigt, wie groß die Differenz ist. Der mittlere Preis für einen Trockenhaarschnitt liegt bei rund 20 Euro, während ein Nass‑Formhaarschnitt im Durchschnitt etwa 30 Euro kostet. Wenn es gelingt, die Hälfte der Trockenhaarschnitt‑Anfragen fachlich korrekt in Formhaarschnitte um zu beraten, entsteht ein erheblicher Mehrumsatz. Bei zehn Kunden pro Tag ergeben sich bereits 100 Euro zusätzlicher Umsatz , was sich im Jahr auf mehrere tausend Euro summiert. Dieses Potenzial entsteht allein durch klare Beratung und das Bewusstsein für die Unterschiede der beiden Techniken.