Was ist eine saure Dauerwelle?

Saure Dauerwellen galten bis in die 1980er-Jahre als besonders schonend und wurden im Salonalltag hochgelobt.

Ihr Vorteil lag in der milderen Wirkung auf das Haar.

Saure Dauerwellen galten bis in die 1980er-Jahre als besonders schonend und wurden im Salonalltag hochgelobt. Ihr Vorteil lag in der milderen Wirkung auf das Haar, denn mit einem pH-Wert zwischen 6,5 und 7 arbeiten sie deutlich sanfter als mildalkalische Präparate.

Die Haltbarkeit war zwar geringer, doch das Haar blieb spürbar geschmeidiger und wurde weniger strapaziert. Allerdings zeigte sich einige Jahre später, dass viele Friseurinnen und Friseure zunehmend Probleme mit der Hautverträglichkeit dieser Produkte beobachteten. Der damals verwendete Wirkstoff Glycerylmonothioglycolat (GMT) – das typische Reduktionsmittel saurer Dauerwellen – erwies sich bei empfindlicher Haut als problematisch. Er konnte Reizungen auslösen und war schwerer auszuwaschen, was zu unerwünschten Rückständen führen konnte.


Als Reaktion darauf wurde die Rezeptur grundlegend überarbeitet. Der kritische Stoff wurde entfernt oder ersetzt, und moderne saure Dauerwellen setzen heute auf schonendere Thiol-Verbindungen, häufig Cysteamin-Hydrochlorid oder modifizierte Thioglykolsäure-Derivate, die deutlich hautfreundlicher sind.

Das Ergebnis ist ein Produkt, das weiterhin mit einem niedrigen pH-Wert arbeitet, aber wesentlich verträglicher ist und ein gleichmäßiges, natürliches Wellbild erzeugt. Die Locken fallen weicher, glänzender und wirken insgesamt harmonischer, ohne das Haar unnötig zu belasten.


Moderne saure Dauerwellen sind damit eine sinnvolle Alternative für feines, empfindliches oder bereits strapaziertes Haar. Sie bieten zwar nicht die maximale Haltbarkeit einer mildalkalischen Dauerwelle, dafür aber ein sehr angenehmes Haargefühl und ein deutlich geringeres Risiko für Hautirritationen. Entscheidend bleibt wie immer die fachgerechte Anwendung, die richtige Produktauswahl und eine präzise Diagnose der Haarstruktur.

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