Salon neu gründen oder übernehmen?

Doch eine Übernahme ist nur dann sinnvoll, wenn Zahlen, Zustand und Perspektive des Betriebs wirklich tragen. Der größte Teil des Kaufpreises entfällt meist auf den Kundenstamm – und genau dieser ist nie garantiert. Kundinnen und Kunden entscheiden sich nicht automatisch für die neue Inhaberin oder den neuen Inhaber.
Auch das Inventar ist häufig veraltet und passt nicht zum eigenen Konzept. Was auf den ersten Blick günstig wirkt, landet nach der Übernahme oft im Container.
Kritisch wird es, wenn Sanitär- oder Elektroinstallationen marode sind. Verstopfte Abwasserleitungen, alte Stromkreise oder falsch verlegte Anschlüsse können hohe Folgekosten verursachen. Selbst das Nachrüsten von Rückwärtswaschbecken kann teuer werden, wenn Böden geöffnet, Leitungen neu verlegt und Türen angepasst werden müssen.
Wird dabei die vorgeschriebene Raumhöhe unterschritten, kann die Gewerbeaufsicht den Betrieb sogar untersagen.
Auch die Übernahme eines Teams verlangt Fingerspitzengefühl. Wer vorher Kollegin oder Kollege war, steht plötzlich als Chef oder Chefin vor denselben Menschen. Das kann funktionieren, muss es aber nicht.
Eine Neugründung bietet dagegen maximale Freiheit: Standort, Konzept, Preisstruktur und Einrichtung können ohne Altlasten entwickelt werden. Dafür braucht es mehr Kapital, mehr Zeit und eine klare Positionierung, um sich am Markt zu etablieren. Beide Wege haben Chancen und Risiken. Entscheidend ist, wie ehrlich man die wirtschaftlichen, technischen und menschlichen Faktoren prüft – und ob der gewählte Weg wirklich zum eigenen Konzept und zur eigenen Persönlichkeit pas.