Kinder als Zielgruppe?!

Kinder beim Friseur – das klingt nach bunten Bildern, fröhlichem Lachen und kleinen Persönlichkeiten, die sich zum ersten Mal in einem Spiegel betrachten. Doch die Realität sieht oft anders aus: Zappelnde Kinder sind vielen Friseuren ein Dorn im Auge, und ein gezieltes Angebot für diese Zielgruppe fehlt in der Branche weitgehend.

Dabei steckt hinter dem Thema weit mehr als nur ein Haarschnitt – es geht um Kaufkraft, Kundenbindung und gesellschaftliche Verantwortung.

Kinder als unterschätzte Zielgruppe
Die meisten Friseursalons richten sich an Erwachsene – mit Wellness, Farbtechniken und Stylingangeboten. Kinder hingegen gelten als „schwierig“: Sie sitzen nicht still, haben Angst vor Scheren oder fremden Händen und bringen oft Unruhe in den Salonalltag.

Kaufkraft und Konsumverhalten
Kinder haben keine eigene Kreditkarte – aber sie beeinflussen Kaufentscheidungen massiv. Eltern investieren in Pflege, Kleidung, Freizeit und eben auch in den Friseurbesuch. Ein professioneller Haarschnitt ist Teil dieser Fürsorge. Gleichzeitig sind Kinder die Kund*innen von morgen. Branchen wie Gastronomie, Spielwaren oder Fast Food – allen voran McDonald’s – haben längst erkannt, wie wichtig es ist, früh positive Konsumerfahrungen zu schaffen. Ein Happy Meal ist nicht nur Essen, sondern ein Erlebnis, das Markenbindung erzeugt. Warum also nicht auch beim Friseur?

Preisgestaltung: zwischen Realität und Erwartung
Ein zentraler Kritikpunkt vieler Eltern ist der Preis. Wenn Kinder denselben Betrag zahlen wie Erwachsene, entsteht Unmut. In einer Kolumne heißt es treffend: „Kinder zahlen den gleichen Preis wie Erwachsene! Da hätte er auch gleich schreiben können: ‚Kinder unerwünscht!‘“

Zwar ist der Aufwand für einen „Zappelphilipp“ oft höher, doch eine „Erschwerniszulage“ wirkt marktfern. Eltern vergleichen – und wenn der Kinderhaarschnitt 25 € kostet, greifen viele selbst zur Schere. Kombi-Angebote wie „Vater & Sohn“ oder „Mutter & Tochter“ könnten hier Abhilfe schaffen und gleichzeitig die Familienbindung zum Salon stärken.

Der erste Friseurbesuch: prägend fürs Leben
Positive Erlebnisse beim ersten Friseurbesuch prägen das Verhältnis zum Handwerk langfristig. Kinder, die sich wohlfühlen, kommen wieder – als Jugendliche, als Erwachsene. Wer hingegen Angst hat oder schlechte Erfahrungen macht, meidet den Salon. Geschichten von Kindern, die weinen oder sich gar nicht erst setzen wollen, zeigen, wie wichtig Einfühlungsvermögen und Kommunikation sind. Ein Friseur, der zuhört, erklärt und kindgerecht arbeitet, gewinnt nicht nur Vertrauen, sondern auch zukünftige Stammkundschaft.

Fazit: Wer Kinder meidet, verschenkt Zukunft
Das Friseurhandwerk steht vor der Wahl: Kinder weiterhin als Störfaktor betrachten – oder als Chance. Ein gezieltes Angebot für Kinder ist kein „Nice-to-have“, sondern ein strategischer Schritt in Richtung Kundenbindung, gesellschaftlicher Relevanz und wirtschaftlicher Nachhaltigkeit. Denn an jedem Kind hängt mindestens ein Elternteil – und oft eine ganze Familie.

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