Die chemischen Prozesse einer Dauerwelle

Die Dauerwelle hat bereits Kultstatus errecht. Aber wieso ist sie dauerhaft? Und welche chemischen Prozesse laufen dabei im Haar ab? Friseur-news und friseurmarkt.info klären auf!
Die Dauerwelle hat längst Kultstatus erreicht, doch viele fragen sich, warum sie eigentlich dauerhaft hält und welche chemischen Prozesse dabei im Haar ablaufen.

Unter einer Dauerwelle versteht man die chemische Umformung von glattem zu gewelltem oder gelocktem Haar. Sie kann sowohl professionell im Salon als auch mit Heimprodukten durchgeführt werden.

Grundlage des Vorgangs ist eine Reaktion im Haarkeratin. Die Cystinbindungen, die dem Haar seine Festigkeit verleihen, werden durch ein Reduktionsmittel – meist Thioglykolsäure – gelöst. Dadurch wird das Haar weich und formbar. In diesem Zustand lässt es sich mithilfe von Lockenwicklern in die gewünschte Form bringen. Anschließend werden die gelösten Disulfidbindungen durch ein Oxidationsmittel, in der Regel Wasserstoffperoxid, wieder geschlossen. Die neue Form wird dadurch stabilisiert und bleibt dauerhaft erhalten.


Man unterscheidet zwischen kurzzeitigen und dauerhaften Formveränderungen. Bei der kurzzeitigen Veränderung, wie sie etwa bei Föhnfrisuren entsteht, werden lediglich die Salzbrücken des Haarkeratins durch Wasser gelöst. Das feuchte Haar lässt sich dehnen und formen, verliert diese Form jedoch wieder, sobald die Feuchtigkeit entweicht. Produkte wie Festiger oder Haarspray können die Haltbarkeit etwas verlängern, ersetzen aber keine chemische Umformung.

Die dauerhafte Formveränderung ist die eigentliche Dauerwelle. Sie erfolgt in zwei Schritten: Zunächst wird ein Reduktionsmittel aufgetragen, anschließend ein Oxidationsmittel. Vor der Behandlung sollte der Friseur die Haarstruktur genau beurteilen, denn feines Haar lässt sich schwieriger wellen als kräftiges. Das Haar wird gewaschen, mit einer Pflegelösung vorbereitet und in schmalen Partien auf Wickler gedreht. Danach wird das Wellmittel aufgetragen, das das Haar aufquellen lässt und es der Wicklerform anpasst. Je nach Produkt und Wärmebehandlung beträgt die Einwirkzeit zehn bis dreißig Minuten. Nach gründlichem Ausspülen wird das Fixiermittel aufgetragen, das die neue Form stabilisiert. Nach einer weiteren Einwirkzeit von etwa zehn Minuten wird erneut ausgespült, die Wickler werden entfernt und das Haar getrocknet.


Für Dauerwellen werden meist mildalkalische Präparate mit einem pH-Wert zwischen 7,5 und 9 verwendet. Typische Inhaltsstoffe sind Ammoniumhydrogencarbonat als pH-Puffer, Thioglykolsäure in Konzentrationen von sechs bis elf Prozent sowie alternative Reduktionsmittel wie Sulfite oder Cystein-Derivate. Fixiermittel enthalten kationische Polymere zur besseren Kämmbarkeit und Wasserstoffperoxid in Konzentrationen zwischen ein und zwölf Prozent, stabilisiert durch Phosphorsäure, sodass der pH-Wert zwischen zwei und vier bleibt.


Wie bei jeder chemischen Behandlung kann es zu Misserfolgen kommen, etwa wenn Einwirkzeit oder Temperatur nicht korrekt gewählt wurden oder das Haar nicht gründlich ausgespült wurde. Da gelocktes Haar nach einer Dauerwelle unter innerer Spannung steht, sollte es nicht zu häufig gewaschen, gebürstet oder gekämmt werden, da es sonst schneller in seine natürliche Form zurückspringt. Das Gegenstück zur Dauerwelle ist die sogenannte Gegenwelle, bei der lockiges oder gewelltes Haar geglättet wird. Die chemischen Mittel sind ähnlich, doch das Haar wird nicht auf Wickler gedreht, sondern glattgezogen. Die Haltbarkeit ist jedoch deutlich geringer als bei einer klassischen Dauerwelle.

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