Wenn Routine zur Gefahr wird

Im Friseursalon Irgendwer beginnt alles wie ein ganz normaler Arbeitstag – bis der Inhaber morgens die Tür öffnet und ihm dichter Brandgeruch entgegenschlägt. In der Nacht hat ein Gerät, das versehentlich am Strom blieb, ein Feuer ausgelöst. Ein altes Kabel mit einer kaum sichtbaren Bruchstelle hatte angefangen zu kokeln. Der Sachverständige der Feuerwehr stellt später fest: Der Schaden entstand schleichend, unbemerkt, aber eindeutig durch Materialermüdung.
Am Ende stehen ein Feuerwehreinsatz, verrußte Räume, zerstörte Einrichtung und ein Sachschaden von rund 100.000 Euro. Der Salon bleibt fünf Wochen geschlossen.
Der Friseur bleibt zunächst erstaunlich ruhig. Schließlich ist er versichert – so glaubt er. Doch der Schock folgt, als die Versicherung die Regulierung verweigert. Begründung: Die gesetzlich vorgeschriebenen Prüf- und Wartungsintervalle für elektrische Geräte wurden nicht eingehalten.
Und tatsächlich:
Das betroffene Gerät trug kein aktuelles Prüfsiegel, die letzte Kontrolle lag Jahre zurück.
Genau hier liegt der Kern des Problems.
Elektrische Geräte im gewerblichen Bereich unterliegen strengen Vorgaben.
Die DGUV Vorschrift 3 (ehemals BGV A3) schreibt regelmäßige Elektroprüfungen vor, um genau solche Risiken zu minimieren. Dabei werden Kabel, Stecker, Gehäuse, Isolationswerte und die gesamte elektrische Sicherheit überprüft. Nach erfolgreicher Prüfung erhält jedes Gerät ein Prüfsiegel mit Datum – ein sichtbarer Nachweis, dass alles ordnungsgemäß kontrolliert wurde.
Diese Prüfungen sind kein bürokratischer Luxus, sondern eine gesetzliche Pflicht. Sie schützen Mitarbeiter, Kunden und den Betrieb selbst. Und sie sind Voraussetzung dafür, dass Versicherungen im Schadensfall zahlen. Die Kosten sind überschaubar und richten sich nach Anzahl und Art der Geräte. Durchgeführt werden sie von zertifizierten Elektrofachkräften, spezialisierten Prüfunternehmen oder dem örtlichen Elektrobetrieb. Viele bieten sogar Wartungsverträge an, damit kein Termin vergessen wird.
Der Fall des Salons Irgendwer zeigt, wie schnell Routine zur Gefahr werden kann – und wie teuer ein versäumtes Prüfsiegel am Ende wird. Ein kleiner Aufkleber, ein kurzer Kontrolltermin, und der Schaden hätte nicht nur verhindert, sondern auch vollständig versichert sein können.