Young Generation

Während viele Salons über fehlende Kundschaft klagen, bleibt eine Gruppe von rund 15 Millionen jungen Menschen weitgehend unerschlossen.
Kleidung, Style und Selbstdarstellung gehören zu ihren wichtigsten Ausgabebereichen – und dennoch spielt der Friseurbesuch in ihrem Alltag kaum eine Rolle. Das liegt nicht an mangelndem Interesse der Jugendlichen, sondern an fehlenden Angeboten der Branche.
Die Vorlieben der jungen Generation sind klar erkennbar: Sie orientieren sich stark an Trends, Szenen und Subkulturen. Über 400 Jugendkulturen wurden identifiziert, und jede bringt eigene Styles, Frisuren und Ausdrucksformen mit. Mode, Musik, Social Media und Peergroups bestimmen, was „in“ ist. Frisuren sind ein zentraler Teil dieser Identität – von Blocksträhnen über Spikes bis zu Dreadlocks. Jugendliche wissen genau, was sie wollen, und sie informieren sich über TikTok, Instagram, YouTube und Jugendmagazine.
Doch im Salon treffen sie häufig auf ein Angebot, das weder modern noch zielgruppengerecht ist. Klassische Frisurenbücher, fehlende Trendbeispiele und ein Ambiente, das eher an eine Erwachsenenwelt erinnert, schrecken ab. Viele Jugendliche fühlen sich schlicht nicht angesprochen.
Hinzu kommt ein strukturelles Versäumnis der Friseure:
Trotz hoher Kaufkraft und klarer Nachfrage gibt es kaum spezialisierte Angebote. Während Modeketten, Sportartikelhersteller, Streamingdienste und Fast-Food-Marken wie McDonald’s massiv in junge Zielgruppen investieren, bleibt das Friseurhandwerk erstaunlich passiv. Andere Branchen wissen längst, dass frühe positive Konsumerfahrungen Markenbindung für Jahre schaffen.
Die Friseurbranche hingegen investiert selten in zielgruppengerechte Werbung, kaum in moderne Bildwelten und fast nie in spezielle Jugendangebote. Viele Salons scheuen die Kosten für Poster, Trendmaterial oder Anzeigen in Schülerzeitungen – und übersehen dabei, dass genau diese Investitionen den Zugang zu einer kaufkräftigen und loyalen Kundengruppe eröffnen könnten.
Auch die Preisgestaltung trägt zur Entfremdung bei.
Jugendliche empfinden viele Leistungen als zu teuer, insbesondere wenn Trendtechniken wie Cut Lights oder Farbsträhnen zusätzlich zum Haarschnitt schnell über 30 Euro kosten.
Verglichen mit Kleidung, Sneakern oder Freizeitaktivitäten hat der Friseurbesuch für sie eine geringere Priorität – nicht, weil er unwichtig wäre, sondern weil das Preis-Leistungs-Verhältnis aus ihrer Sicht nicht stimmt. Gleichzeitig unterschätzen viele Friseure, dass Jugendliche durchaus bereit sind, für Style und Individualität Geld auszugeben, wenn das Angebot stimmt. Kombi-Pakete, schnelle Trendtechniken, Juniorpreise oder stylische „Power Packs“ könnten genau diese Lücke schließen.
Ein weiterer Punkt ist der Umgang im Salon.
Jugendliche möchten ernst genommen werden, sie wollen Beratung auf Augenhöhe und ein Umfeld, das ihre Lebenswelt versteht. Wenn eine 16‑Jährige zwischen zwei Seniorinnen platziert wird oder wenn der Chef mit 40 versucht, Jugendsprache zu imitieren, entsteht Distanz statt Nähe.
Jüngere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben oft einen besseren Zugang, weil sie dieselben Medien konsumieren, ähnliche Interessen teilen und authentischer wirken. Auch das Ambiente spielt eine Rolle: moderne Musik, passende Lektüre, ein jugendfreundliches Warteumfeld und sichtbare Trendbeispiele schaffen Vertrauen und Interesse.
Am Ende zeigt sich ein klares Bild: Die junge Generation ist keine schwierige Zielgruppe, sondern eine verpasste Chance. Sie verfügt über Geld, über klare Vorstellungen und über ein starkes Bedürfnis nach individueller Selbstdarstellung. Was fehlt, ist ein Friseurhandwerk, das diese Bedürfnisse erkennt und ernst nimmt. Wer heute Jugendliche gewinnt, gewinnt die Kunden von morgen – und sichert sich langfristig einen Platz in einer Branche, die dringend neue Impulse braucht.